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Meine Katze soll ein Auto zerkratzt haben – ist das möglich?

Katze zerkratzt Auto – wer haftet?

Melanie ist verzweifelt. Der Lieblingsplatz ihrer Ruby sind diverse Motorhauben verschiedener Autos in der Nachbarschaft, insbesondere, wenn die Wagen in der Sonne geparkt sind. Nun hat Nachbar S. Melanie angesprochen. Er verlangte von Melanie, für die Kratzerspuren auf seiner Motorhaube aufzukommen, die ihre Ruby dort hinterlassen hat.

Als Melanie bezweifelte, dass Katzen überhaut Kratzer auf Autos hinterlassen, reagierte er erbost.
„Was soll ich nur tun?“, fragt Melanie. „Darf er das? Muss ich zahlen? Können Katzen überhaupt Autos zerkratzen?“

Können Katzen überhaupt Autos zerkratzen?

Die Frage stellt sich. Und die Antwort ist einfach und bündig: Ja, sie können. Und zwar nicht, wenn sie mit eingezogenen Krallen über das Auto schleichen oder dort ruhen, sondern dann, wenn sie ihre Krallen ausfahren und sie benutzen oder auch, wenn sie Sand an den Pfoten haben, der Kratzspuren im Lack hinterlässt.

Katzen halten sich nicht an das, was sie tun sollten

Ob beziehungsweise wie oft sie es nun tun, ist eine andere Frage. Katzen sind bekanntlich Individualisten. Sie lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Genauso wenig wie alle Katzen gerne auf Autos in der Sonne liegen, verhalten sich alle Fellnasen gleich. Eigentlich, ja, eigentlich sind die Stubentiger ausgesprochen geschickte Springer und Läufer. Sie ziehen die Krallen ein, wenn sie auf etwas Glattes hinaufspringen oder darauf herumflanieren. Mit eingezogenen Krallen hinterlassen sie nur Fußspuren oder leichte Schlieren, die sich leicht mit einem Tuch wegpolieren lassen.

Nur halten sich die Katzen nicht immer an das, was sie eigentlich tun sollten. Manche von ihnen finden es einfach entspannend, sich mal richtig zu räkeln nach dem Sonnenbad. Mit ausgefahrenen Krallen. Da kann schon einmal der Lack dran glauben müssen. Im Übrigen sitzt manchmal einfach eine dicke Fliege oder etwas ähnlich Verlockendes auf der Motorhaube, das man einfach jagen muss. Mit ausgefahrenen Krallen. Folge: siehe oben.

Auch Lichtreflexe können zum Schlagen mit der Tatze verlocken. Und wieder haben wir Krallenkratzer im Lack. Was jetzt den Sand an den Pfoten angeht, putzen sich Katzen eigentlich recht gründlich die Pfoten. Aber manchmal auch nicht. Und manchmal erst auf dem Auto. Dann kann der Sand, der an den Pfoten klebt, ebenfalls Kratz- oder Schleifspuren hinterlassen.

Die gute Nachricht: Politur hilft

Die gute Nachricht ist: Die meisten Kratzer lassen sich mit Politur beseitigen. Eine vorbeugende Behandlung mit Hartwachspolitur soll sogar Kratzer verhindern, wenn man Experten Glauben schenken darf, und als Nebenwirkung sogar durch ihren Geruch den Fellnasen den Aufenthalt auf der frisch polierten Autohaube etwas verleiden.

Der Eigentümer haftet

Zurück zum obigen Fall: Wer haftet jetzt eigentlich für die Schäden, die durch Katzenkrallen auf Nachbars Auto entstanden sind? Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist festgehalten: „Wird durch ein Tier (…) eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.“ (§833BGB) Das heißt, dass Melanie eine eventuelle Reparatur tatsächlich zahlen muss – allerdings muss Nachbar S. nachweisen, dass tatsächlich Melanies Katze den Schaden verursacht hat.

Dafür reicht nicht die Tatsache, dass Ruby auf dem Auto gesessen hat. Selbst ein Foto davon reicht nicht. Denn durch das Sitzen und Sonnen entsteht ja kein Schaden. Es könnte eine andere Katze zu einem anderen Zeitpunkt das Auto zerkratzt haben. Vermutlich wird Melanie also nicht zahlen müssen – denn dieser Nachweis wird nicht einfach werden. Falls sie doch zahlen muss, sollte sie prüfen lassen, ob ihre Haftpflichtversicherung hier einspringt. Eine Haftpflichtversicherung, die durch die Katze verursachte Schäden bezahlt, sollte jeder Katzenbesitzer prinzipiell besitzen.

Tipp: Willige auf keinen Fall in eine Zahlung ein, bevor nachgewiesen ist, dass du zahlen muss. Durch ein Schuldeingeständnis verlierst du womöglich auch den Versicherungsschutz.

Die Sache in Frieden lösen

Was aber ist jetzt zu tun? Unser Rat wäre: Versuch doch, die Sache in Frieden zu lösen. Schenk dem Nachbarn zu Weihnachten z.B. einen kleinen Geschenkkorb mit etwas Hartwachspolitur, einer Flasche Wein und Weihnachtsplätzchen. Mit lieben Grüßen von der Katze. Sag ihm, dass du seinen Ärger verstehst, dass du aber nicht glaubst, dass Deine eigene Katze das Auto zerkratzt hat. Lade ihn mal ein, damit er die Katze ein wenig kennenlernt und sich kein Hass aufbaut. Versuche, ihn zu verstehen, vielleicht hat er viel Geld und Mühe in das Auto gesteckt. Und versuche zu erreichen, dass er Dich versteht. Dann steht einer guten Nachbarschaft hoffentlich nichts mehr im Wege.

Deine Meinung ist mir wichtig!

Uns interessiert wo eigentlich der Lieblingsplatz Deiner Fellnase ist? Nachbars Auto oder doch eher die Fensterbank? Die Komposttonne oder das warme Plätzchen vor der Haustür? Schreib es uns bitte in die Kommentare!

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