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Gleichgewichtsstörungen bei Katzen erkennen

Auch Bewegungsakrobaten können stolpern – Gleichgewichtsstörungen bei Deiner Katze

Katzen sind Meister der Balance und der eleganten Bewegungen. Sie führen Sprünge über große Distanzen aus und landen doch immer wieder sicher auf ihren Pfoten. Doch auch die Gleichgewichtsakrobaten können taumeln und die Standfestigkeit verlieren. Was kannst Du tun, wenn die Katze aus dem Gleichgewicht gerät?

Fragen und Antworten

Wie funktioniert das „Gleichgewicht der Katzen“?

Im Innenohr der Katze befindet sich der Vestibulärapparat, bestehend aus Schnecke, Vorhof (Vestibulum), Bogengängen und dem häutigen Labyrinth. Rezeptoren wandeln akustische Reize und Bewegungsreize in elektrische Impulse um und leiten diese über Nervenbahnen an die entsprechenden Zentren im Gehirn weiter. Über entsprechende Reflexe kann die Position des Körpers durch Drehung der Wirbelsäule und Steuerung von Schwanz und Pfoten korrigiert werden.

Ab einer Fallhöhe von ca. zwei Metern ist Deine Katze in der Lage, sich in der Luft zu drehen und sicher auf den Pfoten zu landen. Der ausgestreckte Körper wirkt dabei wie ein Gleitschirm. Der Schwanz stabilisiert Bewegungen nach links und rechts.

Wie äußern sich Gleichgewichtsstörungen?

Die Katze klettert nicht mehr so gerne und springt nur mehr vorsichtig aus geringen Höhen. Das Ziel wird oft verfehlt und Deine Katze stürzt zu Boden. Liegt die Katze gerne auf der sonnigen Fensterbank oder anderen Aussichtsplätzen, wird sie miauen, bis Du sie herunterhebst. Die Bewegungen werden unsicher. Der Stubentiger taumelt und scheint über die eigenen Pfoten zu stolpern. Will sich die Katze zum Kratzen an ihrem Kratzbaum aufrichten, fällt sie einfach um. Der Kopf ist ständig nach einer Seite geneigt, die Augen bewegen sich rasch und ruhelos von rechts nach links. Bewegen sich die Augen horizontal, liegt meistens eine Erkrankung des Innenohres vor. Bei vertikalen Augenbewegungen liegt ein Problem im Zentralnervensystem vor. Eventuell sind die Pupillen der Augen ungleich groß und reagieren nicht auf stärkeres Licht. Deine Katze beginnt zu schielen. Das dritte Augenlid, die Nickhaut, fällt vor und bedeckt Teile des Auges. Das Gesichtsfeld Deiner Katze ist dadurch eingeschränkt.

Gleichgewichtsstörungen sind oft verbunden mit Schwindelgefühlen, Erbrechen und Übelkeit. Deine Katze verweigert das Futter oder erbricht sofort nach dem Fressen unverdautes Futter.
In schweren Fällen können Bewusstlosigkeit und Krampfanfälle auftreten. Suche bitte direkt Deinen Tierarzt auf, wenn sich Anzeichen einer Gleichgewichtsstörung zeigen.

Was verursacht Gleichgewichtsstörungen?

Hält Deine Katze den Kopf nur für kurze Zeit schief, kann eine Entzündung des äußeren Gehörganges durch Fremdkörper, Parasiten, Hefen oder Bakterien vorliegen. Deine Katze ist aber immer in der Lage, den Kopf zeitweise aufzurichten. Hat die Entzündung bereits auf das Innenohr übergegriffen, ist oft auch das Gleichgewichtsorgan geschädigt. Der Kopf wird ständig schief gehalten, die Katze kippt zu Seite und fällt einfach um. Laufen auf gerader Linie ist nicht mehr möglich, die Katze bewegt sich nur mehr im Kreis. Ist das Trommelfell, das das äußere Ohr von dem inneren Ohr abgrenzt, verletzt, können Flüssigkeiten und Haare bis in das Innenohr eindringen und eine Entzündung verursachen. Stürze aus großer Höhe oder Autounfälle führen oft zu einem Bruch des Felsenbeins (Knochen im Innenohr), das Gleichgewichtsorgan funktioniert nicht mehr richtig.

Vergiftungen z.B. mit Aspirin führen ebenfalls zu einem Schiefhalten des Kopfes und zu unkontrollierten Augenbewegungen. Die gleichen Symptome treten auf, wenn Deine Katze mit Schneckenkorn in Kontakt gekommen ist. Vergiftungen können auch durch Erkrankungen der Leber und der Niere auftreten, Stoffwechselendprodukte sammeln sich im Körper an und verursachen Vergiftungssymptome.

Tritt die Gleichgewichtsstörung plötzlich auf und verschwindet von selbst nach einigen Tagen wieder, spricht man von einem idiopathischen Vestibulärsyndrom. Die genaue Ursache kann meistens nicht geklärt werden. Störungen des Gleichgewichts werden aber nicht nur von Erkrankungen des Innenohres, sondern auch durch andere Faktoren verursacht. Ist das Gleichgewichtszentrum im Gehirn durch eine Blutung oder einen Tumor beeinträchtigt, leidet Deine Katze ebenfalls unter Gleichgewichtsstörungen. Sind die Nerven durch Viren geschädigt oder entzündet, ist ein koordinierter Bewegungsablauf auch oft nicht mehr möglich. Dies ist vor allem bei Infektionen mit Corona – Viren, die die Feline Infektiöse Peritonitis auslösen, und Retroviren, die eine Leukose verursachen, der Fall.

Die Bedeutung des Futters bei Gleichgewichtsstörungen

Fütterst Du Deine Katze mit großen Mengen an rohem Fisch, kann sie nicht mehr genügend Thiamin (Vitamin B 1) aus der Nahrung aufnehmen. Das vorhandene Vitamin B 1 wird durch ein Enzym aufgespalten, bevor es seine Wirkung im Körper Deiner Katze entfalten kann. Durch die Unterversorgung mit Thiamin können die Nerven nicht mehr richtig arbeiten, Deine Katze taumelt und läuft nur mehr im Kreis.

Über Beutetiere kann sich Deine Katze auch mit Toxoplasmen anstecken. Die Einzeller gelangen ins Gehirn und verursachen schwere Entzündungen von Gehirn und Nerven. Unruhige Augenbewegungen, Taumeln und Stolpern sind die Folgen. Gleichgewichtsstörungen können auch psychosomatisch verursacht werden. Leidet Deine Katze unter chronischem Stress, treten durch die Schwächung des Immunsystems vermehrt Entzündungen auf. Andauerndes Mobbing im Mehrkatzenhaushalt kann Fehlfunktionen der Nerven und gestörte Bewegungen zur Folge haben. Deine Katze läuft nur noch geduckt und verkrampft durch die Wohnung oder verkriecht sich ständig.

Gleichgewichtsstörungen können auch bei Verletzungen an Beinen, Wirbelsäule und Schwanz auftreten. Zerrungen und Dehnungen der Bänder, Gelenke und Muskeln führen zu einem gestörten Ablauf der Bewegungen, da ein Bein nicht mehr richtig vorgeführt werden kann. Ist der Schwanz Deiner Katze gebrochen, ist die Stabilisierung nach rechts und links aufgehoben. Deine Katze taumelt zur Seite und kann im Sprung ihre Haltung in der Luft nicht mehr korrigieren. Bei Bandscheibenvorfällen sind die Bewegunsabläufe durch Lähmungen beeinträchtigt. Ist Deine Katze bereits älter, kann sie eine Sehschwäche aufweisen. Ziele können nicht mehr richtig angepeilt werden. Die Katze wirkt unsicher, die Bewegungen sind nicht mehr im Gleichgewicht.

Muss Deine Katze zum Tierarzt

Gleichgewichtsstörungen bei Katzen sind meistens die Folge von Erkrankungen. Je schneller Deine Katze von einem Tierarzt untersucht und behandelt wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Oft sind zusätzlich zu einer normalen Untersuchung eine Blutuntersuchung und Röntgenaufnahmen nötig, um Organerkrankungen oder Infektionen abzuklären.

Abhängig von der Ursache der Gleichgewichtsstörung wird der Tierarzt Deine Katze behandeln. Liegt die Ursache im äußeren Gehörgang, wird dieser gereinigt und mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Bei Vergiftungen wird Deiner Katze ein entsprechendes Antidot (Gegengift) verabreicht. Liegt ein idiopathisches Vestibulärsyndrom vor, wird die Selbstheilungskraft Deiner Katze mit Infusionen und entzündungshemmenden Medikamenten gefördert. Immunmodulatoren unterstützen und helfen dem Immunsystem, wieder angemessen zu reagieren. Antiemetika, Medikamente gegen Erbrechen und Übelkeit, helfen Deiner Katze, wieder normal zu fressen.

Was kannst Du tun, um Gleichgewichtsstörungen bei Deiner Katze zu vermeiden

Deine Katze sollte immer artgerechtes, ausgewogenes Futter erhalten. Achte auf eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Vitaminen und Fettsäuren. Eventuell kannst Du diese Nährstoffe mit Futterergänzungsmitteln zuführen. Vermeide unnötigen Stress für Deine Katze und sorge für genügend Beschäftigung und Bewegung. Aktives Spielen fördert die Funktion von Gehirn und Nerven und erhält Deine Katze geistig gesund. Muss Deine Katze immer wieder von erhöhten Plätzen gehoben werden, kann eine Störung des Gleichgewichts dahinterstecken. Leidet Deine Katze bereits an Gleichgewichtstörungen, baue ihr Brücken zu höher gelegenen Lieblingsplätzen und sichere diese gegen Stürze ab. Polstere Kletterpfade, damit sich Deine Katze nicht verletzen kann.

Lass Deine Katze regelmäßig von einem Tierarzt untersuchen und lass, abhängig vom Lebensstil Deiner Katze, jährliche Impfungen durchführen. Ist Deine Katze ein Freigänger und hat viel Kontakt mit anderen freilaufenden Katzen, sollte einmal jährlich ein Leukose – Test und eine Impfung durchgeführt werden. Lebt Deine Katze dagegen in einer Wohnung und hat nur kontrollierten Kontakt zu anderen Katzen, ist eine jährliche Impfung gegen Leukose meist nicht nötig.

Fazit

Gleichgewichtsstörungen können aus vielen verschiedenen Ursachen auftreten. Deine Katze sollte unbedingt von einem Tierarzt untersucht und behandelt werden, um schwere Folgeschäden zu vermeiden.



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