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Teil 1: Deshalb bringt es nichts Deine Katze zu bestrafen

Strafmaßnahmen – Als Strategie zur Katzenerziehung völlig ungeeignet

Das Bedürfnis der Deutschen danach, mit zahmen Raubtieren zusammenzuwohnen, scheint weiterhin ungebrochen. So vermeldet der deutsche Tierschutzbund, dass 2018 über 34 Mio. Haustiere im Bundesgebiet gehalten wurden, wovon der Löwenanteil auf Katzen und Hunde entfällt. Demnach ist die grundsätzliche Tierliebe der Deutschen über jeden Zweifel erhaben. Dagegen tauchen immer wieder Unsicherheiten und Missverständnisse auf, wenn es darum geht, das allgemeine Sozialverhalten der Tiere korrigieren. Daher findest Du hier noch einmal alle aktuellen Empfehlungen zur Katzenerziehung.

Basis der Erziehung: Katzengerechte Kommunikation

Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass eine der klassischen Aussagen über Katzen nichts von ihrer Gültigkeit verloren hat: Im Gegensatz zu Hunden verhalten sie sich gegenüber Menschen keineswegs unterwürfig. Ihr Sozialverhalten im Haushalt spiegelt im Wesentlichen dasjenige wider, das sie in freier Wildbahn auch ihren Artgenossen gegenüber anwenden. Dementsprechend haben besonders unerfahrene Katzenbesitzer häufig Schwierigkeiten, die Signale ihrer Katze richtig zu deuten und sich ihr unmissverständlich mitzuteilen. Und dies basiert nicht zuletzt auf einer fatalen Fehlannahme vieler Tierfreunde: So wird häufig vermutet, dass die beiden Raubtierrassen Hund und Katze ähnliche Kommunikationsstrategien verwenden.

Im täglichen Kontakt wird jedoch schnell klar, dass Katzen, im Gegensatz zu Hunden, mit gesprochenen Anweisungen sehr wenig anzufangen wissen. Was kaum verwundern dürfte, da Katzen schließlich zu den lauernden Jägern zählen, die jedes Geräusch vermeiden müssen, um Beute zu erlegen. Daher verwenden sie akustische Signale in der Natur nur im äußersten Notfall, also wenn sie starke Schmerzen verspüren oder im Konfliktfall. Die bevorzugten Kommunikationskanäle der Katzen erfolgen dementsprechend auf nonverbalem Wege, was in erster Linie Gerüche beinhaltet, während Gestik und Mimik eher untergeordnete Rollen spielen.

Erster Schritt: Fehlersuche

Demnach solltest Du im Falle fortgesetzter Kommunikationsschwierigkeiten zunächst beobachten, wie Dir Deine Katze in sowohl unangenehmen als auch angenehmen Situationen gegenüber tritt, um die Körpersprache zu erlernen. Dabei wird Dir auffallen, dass die Tiere einem sehr strukturierten Tagesplan folgen, der den zeitlichen Rahmen fürs Schlafen, Essen und Spielen klar definiert. Änderungen an diesem Zeitschema bedeuten eine massive Umstellung und Unannehmlichkeiten, was den Besitzern auch unmissverständlich zu erkennen gegeben wird.

Wenn sich dieser aber nun fortgesetzt weigert, seinen Fehler zu erkennen, greifen Katzen schon einmal zu rabiateren Methoden: Zunächst dürften sie sich stärker zurückziehen, später wahrscheinlich aggressiv daherkommen, um als letztes Zeichen des Widerstandes Urin und Kot in Wohnbereichen abzusetzen. Viele missbilligte Verhaltensweisen gehen auf derartige Missverständnisse zurück. So sollte zunächst sämtliches menschliches Fehlverhalten (falsches Futter, zu wenig Aufmerksamkeit, im schlimmsten Falle eine unentdeckte Verletzung oder Krankheit) in Betracht gezogen werden, bevor Erziehungsmaßnahmen zum Einsatz kommen.

Weniger ist mehr: Kleine Gesten erzeugen höhere Effekte als lautes Schimpfen

Um Charakterfehler Deines Tieres artgerecht zu korrigieren, lohnt zudem ein Blick darauf, wie dies von Katzenmüttern gehandhabt wird: Diese lassen ihren Kindern sehr viel Freiraum und greifen nur dann ein, wenn es richtig gefährlich wird. Dazu nutzen sie jedoch keine lauten Geräusche, stattdessen schubsen oder ziehen sie ihre Schützlinge in die von ihnen gewünschte Richtung und wiederholen den Vorgang so häufig, bis sein Zweck verstanden wurde. Dementsprechend wird Deine Katze es keinesfalls als die Konsequenz eigenen Fehlverhaltens interpretieren, wenn sie laut angebrüllt wird. Auf diese Art kommt bei ihr lediglich an, dass ihr Besitzer ständig aggressiv ist und daher in Zukunft lieber gemieden werden sollte. Im schlimmsten Fall entwickelt sie eine regelrechte Phobie vor Dir, was in der Folge zu massiven Verhaltensstörungen bis zur Verweigerung der Nahrungsaufnahme führen kann.

Um den „worst case“ zu vermeiden, solltest Du Dich eher an den Erziehungsmethoden der Katzenmütter orientieren: Wenn sich Dein Schützling mal wieder in den Kopf gesetzt hat, auf den Herd zu springen, solltest Du Dich ihm einfach in den Weg stellen, um ihm sein Vorhaben auszureden. Diese nonverbalen Erziehungsmethoden lassen sich auf fast jedes unerwünschte Verhalten anwenden: Katzen, die sich immerzu in Tabuzonen, wie dem Esstisch oder dem Bett aufhalten, sind solange daraus zu entfernen, bis sie den Hinweis verstanden haben. In diesem Zusammenhang ist natürlich zu berücksichtigen, dass es sich hier um sehr wissbegierige Tiere handelt, die jeden Quadratmillimeter ihres Territoriums in regelmäßigen Abständen überprüfen müssen. So lässt es sich aus Sicht Deiner Katze manchmal nicht vermeiden, jene Orte aufsuchen, obwohl es mit Unannehmlichkeiten verbunden sein könnte.

Als sehr effektiv hat sich auch die Methode herausgestellt, den Unruhestifter zu stoppen, indem man die Fingerspitzen auf seiner Stirn platziert und ihn so in die gewünschte Richtung dirigiert. Dies ähnelt einer weiteren Taktik von Katzenmüttern, die ihre Jungen gerne mit einem leichten Pfotenhieb auf die Stirn sanktionieren.

Im zweiten Teil dieser Reihe gehen wir auf erprobte und geeignete Erziehungsmaßnahmen für Katzen ein und hinterfragen das Mittel der „indirekten“ Bestrafung.

Teil 2: Deshalb bringt es nichts Deine Katze zu bestrafen

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